industrieruine

aussenhaut, innenlaut. grau in grau versinkt mein gemüt in schwarz. wie es immer schon
war, so auch heute, gibt der tag mir eine qual. er schenkt mir mein gesicht und das ist eine
wand. rillen vertikahl. an ihnen läuft das wasser, das horizontal von mir abfließt, in ein
blau. außen sauber, innen schwarz, stehe ich in meinem raum und denke gegen decke,
denke gegen angst, dem druck einer fernen last entgegen, die im nie vergangen wird, so
himmelhoch. so ist ich in diesem riesenraum, der mein zwergensein aufbläht, der größe
größe nimmt, mir kleinheit gibt - wie ein geschenk - angesichts der höhe, die ich in einem
nie bewältigen werden kann.

ich muß es genauer beschreiben: da ist also dieser hohe raum: die haut. darin all meine
farben: schwarz. der raum ist groß, die farben klein und überall. der wind streift aus der
ferne und macht laute, die an mir ihren ton erst finden. meine irren, meine zaudern, meine
stolpern und alle meine fallen finden im brechen ihren hohen klang. meine schamen und
die anklage meiner engste ist weithin hörbar in einem außen, das sich mir entzieht. laute,
die mein verstummen gerade dorthin offenbaren, öffnen meine poren meiner pein: der
zweiten, weiten überallemaußen-häute; der, die ich im nie betreten werden kann.

ich werde mich also im nie erst hören, denke ich, und messe den raum ab, wie jeden tag,
in dem ich auf allen vieren von der ostecke richtung norden krieche und von dortaus weiter
über westen hin zum süden, dann zur decke hoch und über ihre ganze länge zurück zum
boden und wieder retour. das meer, das ich in meiner statik nie erreiche und das ich
neben mir nur ahne, von dem ich glaube, es zu riechen und vielleicht fast sogar schon
spüre, wirft seine endloswellen in tälern und in bergen gegen mich. sehnsüchtelnd strecke
ich mich zur decke. in dunkler höhe schließe ich die augen, taste mich durch schwarz.

hallenlaut, innenhaut. wieder ein morgen und voller bewußtlosigkeit mühe ich mich die
innenliegenden hautfetzen an den wänden, den ecken von decke und boden zu
verankern. das macht keinen sinn und gerade darin liegt er. ich muss doch nur die wände
mit mir verbinden! und so versuche ich, spannend. hallend schnappen die häute zurück
und ich beginne von vorne, ohne wissen, wo sich ich gerade befindet. wenn ich loslasse,
fallen die gedanken zu boden; wenn ich meine konzentration nicht bündele, befehlen die
ecken mich zu sich. keiner werde ich jemals gerecht, denn befinde ich mich in einer, rufen
mich die anderen. das ist das nie im hier.

ich bin so erschöpft. das meer mit seinem salzgehalt saugt an meiner luft, laugt meine
lungen aus. schuppe um schuppe schält es mir die haut, macht sie poröser. mit der
restlichen kraft und den letzten tropfen, die ich von innen ans innen perlen kann, lecke ich
sie naß. dann laße ich los und gebe mich dem gewetter der ecke hin, von der ich vermute,
daß sie dem meer am nächsten ist - und für einen augenblick fällt alles schwarz, und alle
irren, engste, schamen rillen salzigspitz um mich. und sie verlauten, daß in einem
einzelnen moment ein wunderbar sein werden kann: stille. das ist das nie im nie.