hafen einer anderen wacht

ein leuchtturm wirft seinen schatten. ich meine angel und den zerkratzen gliederköder aus silberdraht. mein
vater schenkte ihn mir. und in abendstunden putze ich mit meinem taschentuch die eingefangenen
sonnenstrahlen aus ihm hervor. das jetzt ist dunkel. im plastikeimer neben mir schaukelt eine feder kieloben
auf dünnem ölfilm. leicht gebrochen ist ihr unterwasserbild noch größer. nur von mir gesehen.

die ferne stadt wirft ihr leben; herüber zu mir. ein weiter weg. vor jahren näherte sich - immer in den
morgenstunden - ein alter mann meinem platz hier bis auf wenige meter. auch er ein angler ohne fang.
verheißungsvoll! einen langen, schönen sommer hindurch suchte ich nach dem zweiten satz: guten morgen
und...? sein fahrrad ist lang schon verrostet.

die meerjungfrau wirft mir eine kußhand zu, verspricht mir mit tausend blicken einen tanz. ihr schuppenspiegel
bricht meine augen. ich höre sie. und greife mein messer fester. salm, zartrosa, küßt mein lippensalz. ich weiß,
sie sitzt auf der großen boje, die den weg weichenstellt, kämmt ihr haar und gähnt.

der leuchtturm wirft seinen schatten auf mein tischtuch. das der wind zum flug einlädt: zuerst die möven, dann
die schaumkronen küssen. bis zum horizont! und auf dem rückweg dann die reisenden mitführen, für die ich
silber gedeckt habe, das nun auf dem kai tanzt. seefahrer, matrosen, kapitäne; willkommen piraten an meiner
silbertafel im leuchtturmschatten!

der leuchtturm wirft seinen schatten, öffnet meine koffer, die vielen. sie stehen zwischen schwarzen poldern,
speien meine hemden aus, hosen, strümpfe,  wäsche. wie schiffe aus papier schwimmen meine kleider in das
wasserrot der immergleichen anderswellen. rufen hinaus, dass ich warte. die reisenden hören nur den sturz
der möven, ihr stechen toter fische.

ich werfe meinen schatten. gegen den leuchtturm. schreie ihn an. beschimpfe ihn. drohe, ihn zu töten. zerre ihn
dann herbei, den feigling, der sich nicht wehrt. schleife ihn hinter mir die mole entlang, stoße ihn schließlich die
schmale leiter hinab, in das ruderboot aus grünblauer farbe. es blättert wasser hindurch. ich löse das spröde
tau. setze ihn aus. er winkt - bereits auf offener see - ein einziges mal.

der mond wirft sein licht; auf meinen leuchtturm. fähnchen flattern im fahlen schein. eine kapelle spielt, glenn
miller. blasse schulkinder haben feierfrei und jubeln dem stapellauf meines schiffes entgegen, das nicht mehr
auf reede liegen will. getauft mit weißem nachtsekt erschrickt es, stürzt in den schlick und spuckt seine
mannschaft aus. singende ratten verfolgen meinen traum, der sich an seiner eigenen ankerkette erdrosselt.
füße tanzen sich aus stiefeln. frei.

das meer wirft meinen schatten, zurück. durch mein fernglas sehe ich, wie er sich an die ruderbank des
zerschellten bootes klammert und kraftlos die klippen am tor des hafens passiert. ich eile und hole den letzten
rettungsring. werfe ihn in das dunkel, hoffe, dass er ihn ergreift. ich freue mich, als es mir gelingt meinen
schatten an mein land zu ziehen, nass bis auf die knochen. ich werfe ihm das tischtuch über und lade ihn zu
einer tasse heißem tee ein, an meiner tafel im schatten des kalten leuchtturms.

das meer wirft seine wasser: über mich. leckt die seesterne vom damm, die zigarettenschachtel, den weißen
schirm, die hummerreuse: blank. schnürt mit gelbem tang die luft zu; mir. das rote licht des leuchtturms dreht
seine runden kleiner. die wellen decken mich zu. ich denke mich an ein ufer. fort.